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Montag, 27. Oktober 08 um 13:37

Ein Olympiareiter-Herz hat aufgehört zu schlagen

 

Gerhard Schulz war der einzige Reiter der ehemaligen DDR, der bei den olympischen Spielen Edelmetall gewann. Das war 1964 in Tokio mit dem ungarischen Halbblüter Balca. In der gemeinsamen deutschen Military-Mannschaft holte er mit Fritz Liggis und Horst Karsten die Bronzemedaille. Nur Italien und die US-Equipe waren besser. Mit der Vollblut-Stute Wanderlilli, die er mit dem Springpferd Zobel mit Otto Rentsch eingetauscht hatte, war er bereits vier Jahre zuvor in Rom dabei. Nach einem fehlerfreien Geländeritt wurde er damals 14. und bester Deutscher, noch vor Reiner Klimke mit Winzerin (18.). Seine sportliche Karriere beendete er mit den DDR-Meistertiteln drei und vier (1963 und 66). In den folgenden Jahren widmete sich der Vater zweier Söhne beruflich als Trainer dem Nachwuchs. Nach Auflösung der Reiterabteilung beim Sportclub Dynamo ging Gerhard Schulz zur LPG Wartenberg, wo er als Brigadier bis zum Vorruhestand arbeitete. In der Sektion Pferdesport brachte der Übungsleiter Norbert Köpke und Wolfgang Bartelt zu DDR-Meisterehren im Busch. Mit seiner zweiten Lebenspartnerin Regina Ballach teilte er 25 Jahre seine naturverbundenen Hobbys, zu der die Kleintierhaltung und der Garten sowie das Lesen gehörte. Am 2. Oktober hat das Reiterherz nach schwerer Krankheit aufgehört zu schlagen.

 

Geboren wurde Gerhard Schulz am 1. Juni 1931 in Hartensdorf bei Beeskow als Sohn von Landarbeitern. In seiner Kindheit wechselten seine Eltern mit den acht Geschwistern mehrmals den Wohnort. Als Landarbeiter verdiente er sich sein erstes Geld wieder in Rietz-Hartensdorf bevor er in den Dienst der Polizei trat. Über die berittenen Grenztruppen kam er zum Sportclub Dynamo in Hoppegarten. Im Springsattel seines Pferdes Panther stieß er mehrfach bis ins Finale der Meisterschaften vor. Seinen ersten Titel holte er jedoch in der Military mit dem Vollbluthengst Moldauer. Als Bereiter seiner Pferde stand ihm Andreas Pechstein, dessen spätere Tochter Claudia beim Eisschnelllaufen Geschichte schrieb, zur Seite. Zu seinen weiteren Reiterkameraden gehörten aber auch Uwe Planck und Peter Henke. „Gerhard Schulz war ein geradliniger Mensch, der immer diszipliniert und fair war“, sagt der Wismarer über den sehr ehrgeizigen Reiter.  

 

Hans-Joachim Begall