Das traditionsreiche Al Shira’aa Hickstead Derby, das aufgrund seiner besonderen Anforderungen häufig als „kleiner Bruder“ des Hamburger Derbys bezeichnet wird, war vom 18. bis 22. Juni erneut einer der Höhepunkte des internationalen Springsportkalenders. Der legendäre Derbyparcours auf dem Rasenplatz in Hickstead gilt mit seinen festen Naturhindernissen, den anspruchsvollen Geländewellen und berühmten Sprüngen wie der „Devil’s Dyke“ als einer der schwierigsten und traditionsreichsten der Welt. Seit seiner Premiere im Jahr 1961 hat sich das Derby seinen ganz eigenen Charakter bewahrt und stellt Pferde und Reiter jedes Jahr vor außergewöhnliche Herausforderungen.

Mit dabei waren in diesem Jahr auch zwei Reiter aus Sachsen, die in den vergangenen Jahren bereits Erfahrungen und Erfolge beim Deutschen Spring- und Dressurderby in Hamburg sammeln konnten. Marvin Jüngel (RSV Rothenburg OL e.V.) und seine Balou’s Erbin und Don Corleone Z nahm zusammen mit Felix Wassenberg (RSC Zur Hohen Reuth e.V.) und Diamaro den rund 20-stündigen Weg in den Süden Englands auf sich, um sich auf dem traditionsreichen Hickstead-Rasen mit der internationalen Konkurrenz zu messen.

In den Einlaufprüfungen zum Derby zeigten beide Sachsen ansprechende Leistungen, auch wenn fehlerfreie Runden ausblieben. Nachdem Felix Wassenberg in einer Prüfung leider ausschied, gelang nur Marvin Jüngel die Qualifikation für das Derby am Sonntag. 31 Teilnehmern standen auf der Starterliste und mit jedem startenden Reiter schien eine fehlerfreie Runde in immer weitere Ferne zu rücken. Auch Marvin Jüngel hatte mit den enormen Anforderungen des traditionsreichen Kurses zu kämpfen und konnte den Umlauf nicht ohne Hindernisfehler beenden. Dennoch überwog am Ende die Begeisterung über das außergewöhnliche Erlebnis. „Hickstead war auf jeden Fall eine coole Erfahrung. Es hätte sportlich gesehen natürlich besser laufen können, aber es war auch wirklich sehr schwer gebaut. Nichtsdestotrotz waren wir mit unseren Runden nicht unzufrieden. Der Boden war top, der Grasplatz war schon wirklich sehr gut in Schuss und der Veranstalter hat sich auch viel Mühe gegeben, ihn jeden Tag wieder optimal zu präparieren. Die Parcours waren alle anspruchsvoll, weil sie ungewohnt massiv und bunt waren. Da kam schon in den normalen Springen immer Derby-Flair auf“, resümierte Felix Wassenberg nach der Veranstaltung.

Besonders beeindruckt zeigte er sich von den Dimensionen des Turniers: „Die Anlage an sich ist natürlich gigantisch groß. Die Veranstaltung läuft den ganzen Tag parallel auf fünf Plätzen, und wir hatten mal bei den Boxennummern geschaut – die gingen bis weit über 2.000. Die Anfahrt ist natürlich mit knapp 20 Stunden schon sehr weit. Wir haben deshalb einen Zwischenstopp in Calais eingelegt und sind anschließend mit der Fähre übergesetzt. Aber alles in allem war es ein mega Erlebnis, einmal die Möglichkeit zu haben, dort mitzureiten und das englische Turnierflair kennenzulernen. Es ist alles viel traditioneller und der Pferdesport hat dort einen enorm hohen Stellenwert.“

Den Sieg im Hickstead Derby sicherte sich in diesem Jahr ein Reiter, dessen Familienname wie kaum ein anderer mit dem britischen Springsport verbunden ist: William Whittaker. Bereits vor zehn Jahren hatte er das traditionsreiche Derby erstmals gewonnen und konnte nun seinen zweiten Titel feiern. Gemeinsam mit dem Iren David Simpson gehörte er zu den einzigen Reitern, denen im Umlauf die ersehnte Nullfehlerrunde gelang. Im anschließenden Stechen behielt Whittaker mit Flamboyant III die Nerven, blieb erneut fehlerfrei und sicherte sich damit den prestigeträchtigen Derbysieg vor Simpson.