Für Lars Krüger aus Grumbach kam die Nachricht kurzfristig: Erst am Montagvormittag vergangene Woche erfuhr der sächsische Fahrer, dass er als Reservist in München zum Einsatz kommen würde. Nach dem Ausfall von Christian Prinz mit Rocky Lee P rückte er mit seiner achtjährigen DSP Fenne Lily in das deutsche Aufgebot auf. Nur ein Tag blieb damit für die Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft der Einspänner vom 3. bis 6. September 2026 in München-Riem.
Für DSP Fenne Lily war es der nächste Schritt in einer noch jungen internationalen Karriere. Die Stute hatte bereits bei den Weltmeisterschaften der jungen Fahrpferde Erfahrungen auf Championatsebene gesammelt und war 2025 Weltmeisterin der siebenjährigen Fahrpferde geworden . In diesem Jahr absolviert sie ihre erste 3*-Saison.
Nach dem kurzfristigen Nachrücken ging es für das Team Krüger und Fenne Lily direkt in das Umfeld eines internationalen Großchampionats. Das besondere Flair der Weltmeisterschaft mit der großen Kulisse, den vielen Zuschauern und der entsprechenden Atmosphäre stellte dabei gerade für die noch junge Stute eine zusätzliche Herausforderung dar. Dass eine solche Umgebung für Fenne Lily noch nicht selbstverständlich ist, zeigte sich auch während des Kegelfahrens am Sonntag. So sorgte etwa der unmittelbar vor Lars gestartete fehlerfreie Auftritt mit entsprechend lautem Beifall und Jubel im Publikum für zusätzliche Unruhe. Für die junge Stute war es damit nicht nur sportlich, sondern auch hinsichtlich der Routine im Championatsumfeld eine anspruchsvolle Erfahrung.
Beim Vet-Check am 2. September passierten alle deutschen Pferde die Verfassungsprüfung und waren damit „fit to compete“.
In der Dressur belegten Lars Krüger und Fenne Lily mit 61,03 Strafpunkten Rang 53. Im Marathon zeigte das Paar anschließend eine tolle Leistung mit dem zweitbesten deutschen Ergebnis und erreichte Rang 29. Für die junge Stute war die anspruchsvolle Geländestrecke eine weitere wichtige Erfahrung auf dem Weg in den internationalen Einspännersport.
Im abschließenden Kegelfahren lief es dagegen nicht wie erhofft. Im sehr schweren Parcours fielen sieben Bälle, hinzu kamen ein paar wenige Zeitstrafpunkte. Mit 26,05 Strafpunkten belegten sie in dieser Teilprüfung Rang 73. In der Gesamtwertung beendete das Paar die Weltmeisterschaft mit 177,80 Strafpunkten auf Rang 63 und beeindruckten dennoch. Denn trotz der hinteren Rangierung präsentierte sich DSP Fenne Lily erneut als eine Stute mit einer überaus positiven Perspektive. Bei der Weltmeisterschaft in München erhielt man viel Lob für eine sehr gute Ausbildung. Gerade das anspruchsvolle Umfeld zeigte, woran das noch junge Pferd weiterwachsen kann.
Weitere Fahrer aus Mitteldeutschland und Pferde aus dem Zuchtgebiet Sachsen-Thüringen
Neben dem sächsischen Fahrer Lars Krüger war mit Martin Stötzer aus Erfurt ein weiterer Fahrer aus Mitteldeutschland bei der WM am Start. Für den Thüringer war München die erste Weltmeisterschaft. Mit dem von ihm selbst ausgebildeten Sächsisch-Thüringischen Schweren Warmblüter Elsaß hatte er dabei einen langjährigen Partner an den Leinen. Der Wallach war bereits als junges Fahrpferd erfolgreich und ging u.a. bei den Weltmeisterschaften der jungen Fahrpferde 2021 in Szilvásvárad an den Start.
In den vergangenen Jahren entwickelte sich Elsaß unter Martin Stötzer zu einem erfolgreichen Einspännerpferd auf internationalem Niveau. 2023 konnte das Paar bei der Deutschen Meisterschaft die Bronzemedaille gewinnen. Auch 2026 führte der Weg zur Weltmeisterschaft über die Deutschen Meisterschaften in Schildau. Stötzer war dort als einziger Doppelstarter mit Elsaß und seiner Stute Candy Noir am Start und qualifizierte sich mit beiden Pferden für die WM in München.
Bei seiner ersten Weltmeisterschaft belegte das Paar in der Dressur Rang 43. Im Marathon folgte eine weitere solide Leistung, bevor die beiden im abschließenden Kegelfahren den Wettbewerb beendeten. In der Gesamtwertung kamen Martin Stötzer und Elsaß auf Rang 47. Für den Thüringer war die WM damit zugleich der bisherige Höhepunkt einer über Jahre gewachsenen Partnerschaft mit dem Schweren Warmblüter.
Eine weitere Verbindung zur Pferdezucht in Sachsen-Thüringen stellte Claudia Lauterbach her. Die für Dillenburg startende Hessin war mit dem in Sachsen gezogenen Schweren Warmblüter Verano Teil der deutschen Mannschaft. Nach Rang zehn in der Dressur und Rang 67 im Marathon gelang ihr im abschließenden Kegelfahren eine fehlerfreie Runde. In der Einzelwertung kamen Lauterbach und Verano auf Rang 19.
Deutschland belegte in der Mannschaftswertung mit Anne Unzeitig und De Niro, Claudia Lauterbach und Verano sowie Ciara Schubert und Lassila den vierten Platz. Für einen besonderen Erfolg sorgte Anne Unzeitig, die mit De Niro im Einzel die Bronzemedaille gewann und damit die erste WM-Einzelmedaille ihrer Karriere holte.